Ernsgaden, 9. Januar 2012.
Eine großartige Premiere lieferten die Laienspieler des Ernsgadener Bauerntheaters bei ihrem Dreiakter „Der Vampir von Zwicklbach“ ab. Im ausverkauften Riedmeier-Saal verstand es das Ensemble um Regisseurin Brigitte Schleibinger die Vampirkomödie perfekt in Szene zu setzen. Und das dankten die Zuschauer mit langanhaltenden Applaus und viel Zuspruch. Die erste Meisterleistung vollbrachten Bühnenbauer Alexander Schwenderling und sein Team, die in wochenlanger, akribischer Arbeit einen authentischen Weinkeller samt alten Fässern, Spinnennetzen und einem „Geheimgang“ verwirklichten.

In diesen schaurigen, von „Vampirgeschichten“ erzählenden Weinkeller steigt in dem Stück der schüchterne, zurückhaltende Martl (hervorragend besetzt durch Michael Kacmarek) um seinen Mut gegenüber seiner angebetenen Betti (frech, vorlaut und selbstwußt dargestellt von Stephanie Stempfhuber) zu beweisen. Seine Begegnung mit dem „Vampir“ Vladi (unnachahmlich und grandios verkörpert von Claus Schmid) und der darauffolgende „Biss“ hat jedoch „fatale“ Folgen. Durch den Biss (herrlich gruselig dargestellt) schlüpft Vladi in den Körper von Martl und verbreitete einigen Unfug, was die Zuschauer bei der Premiere zu wahren Lachsalven hinriss.

Bild: Eine perfekte Inszenierung vollbrachten die beiden Hauptdarsteller, Claus Schmid, als Vampir „Vladi“ (hinten) und Michael Kaczmarek als „Martl“ (vorne). (Foto: Huber)
Geglückt ist nach vier Jahren Pause der Wiedereinstieg von Erika Schwenderling in die Rolle der Baronin Theres, die das Anwesen – unwissentlich um den Vampir Vladi - samt „spukenden“ Weinkeller verkaufen möchte. Herrlich ihre „diplomatischen“ Wortwechsel mit der Kaufinteressentin und „Großstadt-Tussi“ Krenzentia (perfekt und souverän dargestellt von Katrin Kersting). Im Schlepptau von Krenzentia befand sich ihr unterdrückter Ehemann Hannes-Petrus (ein guter Einstand von Rolf Niemczewski, er zum ersten Mal mitspielt, mit sehenswerter Mimik und Gestik), der sich jedoch im Laufe des Stückes vom „Untertan“ zum etablierten Mannsbild mausert, den Spieß zur Freude des Publikums schließlich umdreht und seiner Krezentia ordentlich Paroli gibt.
Als Vampir Vladi weinselig von Martl erfährt, dass seine Heimat verkauft werden soll schmiedet er mit diesem einen Plan um das Anwesen zu erhalten. Er „beißt“ aber anstatt Kreszentia die falsche Dame, nämlich die Betti und das Unheil nimmt seinen Lauf. Noch dazu tauchen in der Gruselkomödie die Vampirjäger Fritz und Friedel auf. Daniel Hamberger und Sabine Schmelzer verkörpern einträchtig die Rollen der beiden Vampirjäger. Sie harmonieren dabei perfekt und sorgen für das i-Tüpfelchen mit ihren seltsamen Vampirfallen und einem urkomischen Vampirtanz. Letztendlich verliebt sich der gutmütige, um seine Heimat kämpfende Vampir Vladi nach seiner „Enttarnung“ in die Baronin Theres mit der er letztendlich gemeinsam das Anwesen vor der hochmütigen Kreszentia rettet.

Bild: Sie spielten sich schnell in die Herzen der Zuschauer: Die Laienspieler des Ernsgadener Bauerntheater begeisterten mit der Gruselkomödie „Der Vampir von Zwicklbach ihr Publikum. (Foto: Huber)
Mit ihrem hohen Niveau und ihrer schauspielerischen Leistung halten die Ernsgadener Theaterspieler in den schnell wechselnden Szenen die Spannung bis zum Schluß. Am Ende mündet natürlich alles in einem „menschlichen“ Happy End. Wer sich vor dem bayerischen Vampir und seinem Gefolge „gruseln“ möchte, der muss leider enttäuscht werden. Alle restlichen Vorstellungen sind ausverkauft.